Taktik Analyse vor dem Topspiel: BVB vs. FCB

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Das Duell Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München war die letzten Jahre schon immer ein Duell der Taktiken. Spätestens seit den Duellen zwischen Jürgen Klopp gegen Pep Guardiola wurden diese Partien echte Taktik-Schlachten. Und dann kam auch noch Taktik Fanatiker Thomas Tuchel.

Und auch heute Abend stehen sich der BVB und der FCB in einem Duell der Taktiken gegenüber. Vor allem über die taktische Ausrichtung beim BVB wurde in den letzten Wochen viel gesprochen… eigentlich seitdem Jupp wieder beim FC Bayern ist. Doch auch hier hat sich einiges getan.

Die (wahrscheinlichen) Aufstellungen in der Gegenüberstellung

 

Zu beginn der Saison spielten beide Mannschaft oft das 4-3-3, auch Bayern unter Papa Carlo. Seit Don Jupp wieder Trainer ist setzt er auf das von ihm geliebte 4-2-3-1.

Taktische Ausrichtung Dortmund

Der BVB spielt unter Trainer Bosz den typischen, holländischen Offensivfußball, der ihm bei Ajax ins Finale der Euro League gebracht hat. Auch bei Dortmund klappte das System zu Saisonbeginn hervorragend.

Frühes Pressing wir damals unter Kloppo brachte wenig Ballbesitz für den Gegner. Die Außenverteidiger schalten sich früh ins Offensivspiel ein genau so wie die Innenverteidiger, die oftmals den Spielaufbau beginnen. Dies klappte bei Kloppo mit Hummels übrigens auch ideal.

So gelang es dem BVB zum Saisonbeginn die gegnerischen Mannschaften immer tief in die eigene Hälfte zu drängen, weit weg vom eigenen Tor. Die Überzahl im Mittelfeld und der kombinationsstarke Sturm war oft Türöffner bei defensiv starken Mannschaften. Bei mitspielenden Mannschaften wie Gladbach ergaben sich räume, die der BVB durch das schnelle umschalten eiskalt nutzen konnten. Der bisherige Höhepunkt des Systems.

Der BVB hatte zu Saisonbeginn einen ruhigen Spielaufbau hinten rum, wurde dann jedoch temporeich und versuchte mit nur wenigen Bällen in den Strafraum zu kommen. Tiefe Schnittstellenpässe waren hier ein effektives Mittel.

Warum klappt es nun nicht mehr?

Erste Kritik am System gab es beim 1:3 in London gegen Tottenham. Sinnbildlich sind hier die Schwächen des Systems durch die Tore offengelegt worden: Konter. Die nicht unbedingt schnellsten Innenverteidiger Toprak und Sokratis stehen sehr hoch, oft über der Mittellinie. Passiert dem BVB im Aufbauspiel ein Fehler und der Gegner kann einen schnellen Konter setzen, ist es für die aufgerückten Verteidiger oft zu spät, dort zu verteidigen. Es wird in diesen Situationen sehr hektisch und unsortiert. Hannover lässt grüßen.

Doch es ist ja nicht so, dass es nur die Abwehrspieler sind, die hoch stehen. Dies war zu Saisonbeginn ja auch so, und man fing sich in 6 Spielen nur 2 Gegentore.

Das Gegenpressing greift nicht mehr wie am Anfang

Was dem BVB aktuell zu schaffen macht ist das Gegenpressing. Dies wirkt nicht mehr so gut, wie zu Saisonbeginn. Der Ball kann nicht mehr direkt abgefangen werden und so häufen sich extrem gefährliche Konter. Durch die Medien wurde oft das System in Frage gestellt, doch sinnbildlich vermissen sowohl Spieler als auch Trainer die Aggressivität nach Ballverlust. Und es stimmt, denn wenn dies wieder funktioniert, funktioniert auch wieder das Bosz-System.

Und die Bayern?

Bayern hat unter Heynckes einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Nicht nur in Sachen Mentalität, auch taktisch ist der FC Bayern nun stabiler. Genau in gegengesetzter Richtung wie der BVB entschleunigt Bayern aktuell den Spielaufbau. Dies tat den Spielaufbau des Rekordmeisters gut, denn gerade und Ancelotti wirkte der Spielaufbau eher klemmend und kreativ los.

Was änderte Hynckes?

Eigentlich nicht viel. Anstatt alles auf den Kopf zu stellen bewies er Feingefühl und schraubte lediglich an kleinen Stellschrauben. Bestes Beispiel ist hier Martinez. Und Pep und Carlo als reiner Innenverteidiger eingestuft, entfaltet der Baske seine ganze Stärke als Abräumer vor der Abwehr. Abräumer? Nicht nur, denn auch im Spielaufbau ist er meist erste Anspielstation und spielt kluge Pässe in die Spitze. Lewandowski gefällt das.

Doch auch Alaba und Coman scheinen unter Jupp wieder auf zu blühen. Vor allem der Junge Franzose scheint das Vertrauen des Trainers gut zu tuen. Bayerns Spiel mit einem ruhigen und geduldigen Spielaufbau ist zwar ähnlich wie beim BVB, doch die Münchener fokussieren eher das Flügelspiel.

Taktische Sturheit beider Trainer? Es wird ein Schachspiel.

Der BVB hat gerne Ballbesitzt, spielt hinten rum, steht hoch und versucht dann sich schnell in den 16er zu kombinieren.

Bayern hat gerne Ballbeitzt, spielt einen ruhigen, fast schon trägen Spielaufbau, mit Fokus auf das Außenspiel.

Keiner der Trainer möchte in einem Spitzenspiel von seiner Taktik abweichen. Doch für beide könnte es Sinn machen. Beim BVB zum Beispiel könnte man den Münchener den Ballbesitzt überlassen, die Außen im 4-3-3 gut zustellen und dann mit den 3 schnellen Stürmern gefährliche Konter setzen. Anders herum könnte es auch Bayern so machen. Tief stehen, auf Fehler der Dortmunder lauern und dann mit Robben und Coman schnell umschalten. Hier habe ich immer noch die Hannoveraner vor Augen…

Jede Mannschaft wird seinen eigenen Matchplan für heute Abend haben. Neben einem guten Spiel freue ich mich besonders wieder auf die taktischen Finessen. Als neutraler Zuschauer gibt es nichts besseres!

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Marcel Oude-Wesselink

Marcel Oude-Wesselink

Coach

„Mit meinem Wissen als Trainer und Spieler möchte ich versuchen, mehr Qualität in den Amateurfußball zu bringen. Hierbei versuche ich, taktische Komponente in Artikel auf zu greifen und Tipps & Tricks für den Bereich Fußball Fitness zu präsentieren.“

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